Über 90 Jahre ist es jetzt her, dass sich flugbegeisterte Darmstädter Schüler und Studenten zusammenfanden, um mit selbst konstruierten und gebauten Gleit- und später auch Motorflugzeugen die ersten Hüpfer an der Wasserkuppe zu wagen. Diese Studentengruppe existiert noch immer, und heißt Akademische Fliegergruppe Darmstadt, kurz Akaflieg. Heute setzt sich die Akaflieg aus Studierenden aller Darmstädter Hochschulen und aller Fachbereiche zusammen.
Wir konstruieren, entwickeln und bauen hauptsächlich Segelflugzeuge, und seitdem haben über 40 Eigenkonstruktionen unsere Hallen verlassen, darunter so bekannte Flugzeuge wie D-36 Circe oder D-38. Das geschieht seit 1922 unter dem Dach der Interessengemeinschaft der deutschen akademischen Fliegergruppen, kurz Idaflieg. So halten wir Kontakt mit den elf anderen, bauenden und forschenden Akafliegs in Deutschland, um uns über die unterschiedlichen Projekte auszutauschen oder gemeinsame Projekte zu verwirklichen. Unter dem Motto der Idaflieg, Forschen, Bauen, Fliegen, steht auch unsere Arbeit und wir sehen es als unsere Aufgabe, durch Forschung in luftfahrtbezogenen Bereichen, durch Konstruktion und Bau neuer Luftfahrzeuge sowie durch Ausbildung und Ausübung des Luftsports zur Mehrung des Wissens im Allgemeinen und im Speziellen bei unseren Mitgliedern beizutragen.
Derzeit bauen wir an der D-43 Fuchur, einem Schulungsdoppelsitzer in Kohlefaserverbundbauweise (manchen vielleicht als Carbon aus dem Rad- oder Autorennsport bekannt), an dem noch einige Nachweise zu führen und einige Innenausbauten zu tätigen sind, bevor er zum Erstflug abheben kann. Außerdem entwickeln wir parallel dazu das Raketenrettungssystem D-44 Soteira, das den Piloten ähnlich eines Schleudersitzes aus einer Gefahrensituation retten soll. Dazu stehen uns zahlreiche Produktionsmittel und die Erfahrung eines professionellen Leichtflugzeugbauers zur Unterstützung bereit. Auch von vielen Industriebetrieben werden wir regelmäßig unterstützt. Vor allem aber verlassen wir uns auf den engagierten Einsatz und die Motivation unserer Mitglieder, um unsere Projekte zum Erfolg zu führen.
Die Akaflieg besteht momentan aus ungefähr 30 aktiven Mitgliedern, vorwiegend Maschinenbau-Studenten. Aber auch Physiker, Mechaniker, Mathematiker sind vertreten und alle anderen Fachbereiche sind willkommen. Eine besondere Vorbildung ist dabei nicht erforderlich, und so besteht die Akaflieg aus Studenten aller Fachsemester, ob mit oder ohne fliegerische Vorbildung, und mit und ohne Vorbildung aus luftfahrttechnischen Bereichen. Gemeinsam haben sie nur die Freude am Entwickeln, Bauen und Fliegen.
Viele der Mitglieder reizt besonders auch die Möglichkeit, seine eigenen Fähigkeiten zu erweitern, und neue Dinge zu erlernen. So kann man sein Studium mit etwas Praktischem ergänzen und sein erlerntes Wissen anwenden. Dazu gehört, neben allem, was zu Konstruktion und Bau eines Segelflugzeugs nötig ist, auch das Fliegen selbst - von der Ausbildung bis zur Erlangung einer Pilotenlizenz. Voraussetzung dafür ist natürlich eine aktive und engagierte Mitarbeit in der Akaflieg. Das kann relativ alltägliche Arbeiten wie das Laminieren von Bauteilen aber auch anspruchsvollere Projekte umfassen wie beispielsweise die Reparatur eines zugekauften Flugzeugbruchs oder Konstruktion und Bau von einzelnen Komponenten eines Prototyps. Generell ist aber für jeden etwas dabei, so muss man sich keine Sorgen machen, dass man über- oder unterfordert würde. Mitmachen kann also jeder, der Willens ist, sein Wissen zu erweitern und der Lust auf Luftfahrt mitbringt. Wer dazu noch Spaß daran findet, wenn seine Ideen tatsächlich mal den eigenen Kopf, ein Blatt Papier oder das CAx-System verlassen, passt sicher auch in die Akaflieg.
Wessen Interesse geweckt wurde ist herzlich eingeladen, mal bei uns herein zu schnuppern. Ihr findet uns normalerweise werktags den ganzen Tag im Gebäude S1|09 unter dem Akaflieg-Schriftzug. Dorthin gelangt Ihr am einfachsten, wenn Ihr durch den Ausgang der Mensa (Stadtmitte) auf den Innenhof geht, und Euch dabei von der Baustelle nicht abschrecken lasst. Vom Ausgang kann man die Akaflieg eigentlich schon sehen, zumal meistens auch ein paar Flugzeuganhänger vor der Halle stehen. Es bietet sich besonders an, mal Montags zwischen 13.30 Uhr und 14.30 Uhr herein zu schauen, da wir dann unsere wöchentliche Besprechung abhalten, und das wahrscheinlich die beste Gelegenheit ist, mal einen Blick in die Akaflieg zu werfen. Außerdem findet sich dann immer noch einer der erfahreneren Akaflieger, der Euch die Akaflieg mal zeigen kann.
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